Entwicklung

13
Nov
2007

Sind Afrikas Entwicklungsprobleme mit Geld zu lösen?

Die amerikanische John Templeton Foundation bittet jeden Monat führende Wissenschaftler und Experten die großen Fragen des Lebens (Life's big questions) mit kurzen Essays zu beantworten. Diesen Monat stellt die Templeton Foundation die Frage: Sind Afrikas Entwicklungsprobleme mit Geld zu lösen? (Will money solve Africa's Development Problems?). Acht renommierte Wissenschaftler und Entwicklungsexperten geben in kurzen Essays eine Antwort auf diese Frage. Obwohl die Autoren die Frage unterschiedlich beantworten, stimmen alle darin überein, dass Afrika vor allem Marktlösungen und mehr Unternehmertum braucht und nicht Entwicklungshilfegeld. Der Grundton der acht Essays ist von neo-liberaler Prägung und gibt individuellen und privaten Lösungsansätzen den Vorzug vor kollektiven oder staatlichen Lösungsansätzen von Entwicklungsproblemen.

Die Frage, ob Afrikas Entwicklungsprobleme mit Geld zu lösen sind, kann nicht einfach mit Ja oder Nein beantwortet werden und ist in dieser Allgemeinheit eigentlich eine sinnlose Frage. Die Frage ist aber symptomatisch für eine in letzter Zeit aufgeflammten Debatte über die Effektivität von Entwicklungshilfe. Die Debatte wird vor allem zwischen den beiden Entwicklungsökonomen Jeffrey Sachs und William Easterly geführt und ist deshalb auch als Easterly-Sachs Debatte bekannt.(1) Sachs tritt dabei für eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe für Afrika ein und fordert einen internationalen big push zur Erreichung der Millenniumsentwicklungsziele. Für William Easterly dagegen ist Entwicklungshilfe nicht geeignet die Probleme Afrikas zu lösen, welche er hauptsächlich in korrupten Regierungen sieht, die die Entwicklung einer freien Marktwirtschaft behindern.

Um die Frage, ob Afrikas Entwicklungsprobleme mit Geld zu lösen sind, sinnvoll zu beantworten, müssen zuerst die Entwicklungsprobleme benannt werden. Im folgenden werde ich kurz die meines Erachtens vier wichtigsten Entwicklungsprobleme Afrikas beschreiben und analysieren inwiefern sie mit Geld zu lösen sind. Dabei ist natürlich klar, dass afrikanische Länder sehr unterschiedliche Probleme haben und es keine Einheitslösungen für die Entwicklungsprobleme des Kontinents geben kann.

Das bei weitem gravierendste Entwicklungsproblem in Afrika sind Krige und bewaffnete Konflikte. Von 1945-1997 sind in Subsahara Afrika 52 Kriege geführt worden, fast alle, mit Ausnahme von 4, nach 1960.(2) Dieses Problem ist mit Geld nicht zu lösen. In der Tat kann Entwicklungshilfegeld sogar negative Folgen haben und Konflikte verlängern. Dies vor allem dann, wenn Regierungen Entwicklungshilfegelder zweckentfremden für den Waffenkauf. Oder wenn Entwicklungshilfegelder es der Regierung erlauben, die eigenen spärlichen Ressourcen für kriegerische Zwecke zu verwenden, während Entwicklungshilfegelder für die sonstigen Staatsaufgaben verwendet werden.

Das zweite große Entwicklungsproblem ist Hunger. Dieses Problem ist vor allem auf die geringe Produktivität der afrikanischen Landwirtschaft zurückzuführen. Von 1960 bis 1995 ist die pro-Kopf Nahrungsmittelproduktion stetig gesunken, da die durchschnittliche Produktionsteigerung nicht mit dem Bevölkerungswachstum mithalten konnte.(3) Was Afrika braucht ist eine „grüne Revolution“ in der Landwirtschaft wie sie in den 60er und 70er Jahren in Asien, vor allem in Indien und China stattgefunden hat. Grundlage für die grüne Revolution waren verbesserte Anbaumethoden, besseres Saatgut und der Einsatz von Düngemittel. Diese wurden in Indien und China den Bauern vom Staat mit Unterstützung von Entwicklungshilfegeldern zur Verfügung gestellt. Die grüne Revolution in der Landwirtschaft in Indien und China lieferte die Grundlage für das heutige rasante Wirtschaftswachstum in diesen Ländern. Richtig eingesetzt kann Entwicklungshilfegeld auch in der afrikanischen Landwirtschaft zu einer grünen Revolution führen. Ein pures Vertrauen auf Marktkräfte wird hingegen für eine rasche Produktivitätssteigerung nicht ausreichen, da ein Großteil der afrikanischen Bauern keine ausreichenden Überschüsse produziert, die sie dann für den Kauf von produktivitätssteigernden Inputs verwenden könnten.

Das dritte große Entwicklungsproblem in Afrika ist das Fehlen von produktiven Arbeitsplätzen für Männer und Frauen. Klar ist, dass Entwicklungshilfegeld nicht dazu geeignet ist direkt Arbeitsplätze zu schaffen. Hier braucht es vor allem privatwirtschaftliche Investitionen und eine positive Integration Afrikas in den Weltmarkt. Allerdings haben viele afrikanische Länder mit Infrastrukturproblemen und mangelndem Know-how zu kämpfen, die den internationalen und regionalen Handel hemmen. Hier wiederum kann richtig eingesetztes Entwicklungshilfegeld vieles bewegen und die geeigneten Rahmenbedingungen für Investitionen schaffen.

Das vierte große Entwicklungsproblem sind schwache, ineffektive und korrupte staatliche Strukturen. Unter dem Titel von "good governance" verwenden internationale Entwicklungsorganisationen jährlich Millionen für Projekte und Programme zur Korruptionsbekämpfung und Stärkung von staatlichen Strukturen in Afrika. Was Entwicklungshilfegelder hier aber wirklich bewirken können ist bis jetzt noch nicht zu sagen.

Zusammenfassend ist klar, dass gut eingesetzte Entwicklungshilfegelder sehr wohl einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Entwicklungsprobleme in Afrika leisten können. In der Easterly-Sachs Debatte hat für mich somit Jeffrey Sachs die besseren Argumente.

Fußnoten:
(1)siehe http://www.nyu.edu/fas/institute/dri/Easterly/File/ElMundoArticle_052607.pdf
(2)siehe http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/archiv_afrika.htm
(3)siehe http://www.grida.no/geo2000/english/0053.htm
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Robert Moosbrugger

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