Buchbesprechung: Peter Sloterdijk - Gottes Eifer. Vom Kampf der drei Monotheismen.

Ein weiterer spannender Essay von Peter Sloterdijk, herausgegeben in einem handlichen und schön editierten Buch im Verlag der Welt Religionen. Im vorliegenden Essay setzt sich Sloterdijk mit den drei abrahamischen oder monotheistischen Religionen und ihrem wechselseitigen Verhältnis auseinander. Im Verlauf des Textes fügt Sloterdijk dann noch stellenweise den Kommunismus als eine Art atheistischer Monotheismus zu seinen Ausführungen hinzu.
Sloterdijk untersucht die drei großen Monotheismen aus einer kulturwissenschaftlich und philosophischen Perspektive. Gelegentlich fließen auch Elemente seiner allgemeinem Immunologie ein, die uns Sloterdijk als Ersatz für Metaphysik und Theologie vorschlägt (siehe dazu „Du musst dein Leben ändern“ vom selben Autor).
Das Buch liest sich, für sloterdijksche Verhältnisse, relativ leicht und ist übersichtlich und klar strukturiert. Die Beschreibung der drei Religionen im Kapitel "Die Aufstellungen" fällt kurz und schematisch aus und bietet so keine großen Überraschungen oder Einsichten. Im Kapitel "Die Pharmaka" beschreibt Sloterdijk mögliche Auswege aus dem Kampf der drei Monotheismen. Auch dieses Kapitel hält wiederum keine großen Überraschungen parat. Als Pharmaka verschreibt Sloterdijk den Monotheismen ein Abrücken vom Absolutheitsanspruch. Es muss, so Sloterdijk, neben der Auswahl zwischen Schwarz und Weiß eben auch immer Grau zu Verfügung stehen, um die Möglichkeit eines Zusammenlebens zu gewährleisten. Neben dem Abrücken vom Absolutheitsanspruch hin zu einer Mehrwertigkeit verschreibt Sloterdijk den Monotheismen auch Humor und eine Zivilisierung durch Institutionalisierung. Im abschließenden Kapitel, "Nach Eifer" genannt, lässt Sloterdijk den Kampf der Monotheismen im Ethos einer Allgemeinem Kulturwissenschaft aufgehen. Er schreibt: "Globalisierung heißt: Die Kulturen zivilisieren sich gegenseitig. Das Jüngste Gericht mündet in die alltägliche Arbeit. Die Offenbarung wird zum Umweltbericht und zum Protokoll über die Lage der Menschenrechte." Als Instrumentarien einer zukünftigen globalen Biopolitik gibt Sloterdijk die demographische Aufklärung (mit Hinweis auf Gunnar Heinsohn und dessen Buch Söhne und Weltmacht) und eine aktualisierte Entwicklungspolitik an.
Auch wenn das Buch keine großartigen theoretischen oder faktischen Erkenntnisse bereit hält, bietet es, wie man es von Sloterdijk schon gewohnt ist, auf jeder Seite ein Fülle an gelungenen Formulierungen und neuen Ansichten und Einsichten. Gottes Eifer ist auf jeden Fall ein lesenswerter Beitrag zur Diskussion um die Rolle der Religion im Europa des 21. Jahrhunderts.

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