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15
Feb
2009

Rodeln in Afrika

Rodeln in Afrika. Fotografiert in Sipi, nahe Mount Elgon in Uganda.
Ein junger Bursche vergnügt sich mit einem auseinander geschnittenen Plastikkanister als Rodeluntersatz. Aufgenommen in Sipi, nahe Mount Elgon in Uganda.

Väter und Söhne von Iwan Turgenjew

Väter und Söhne ist Iwan Turgenjews berühmtester Roman. Die Handlung des Romans ist zur Mitte des 19. Jahrhundert im ländlichen Russland angesiedelt. Zwei befreundete Studenten kehren nach Jahren in Sankt Petersburg zu einem Besuch bei ihren Eltern auf dem Lande zurück. Jewgeni Basarow, der ältere der beiden Freunde ist ein angehender Landarzt. Er sieht sich selber als brillanten Naturwissenschaftler und überzeugten Nihilisten. Arkadi Kirssanow ist ihm als Freund treu ergeben und teilt seine nihilisten Ansichten ohne sie recht zu verstehen.
Arkadis Vater, Nikolai Kirssanow, empfängt die beiden Freunde auf die herzlichste Weise auf seinem Landgut. Er interessiert sich für die Ansichten der jungen Leute und versucht sich selber als liberal und fortschrittlich ihnen gegenüber zu präsentieren. Doch schon bald kommt es zu ersten Spannungen. Arkadis Onkel Pawel Kirssanow, der gemeinsam mit seinem Vater auf dem Landgut lebt, ist von aristokratischer Seinsweise, und spürt sofort eine tiefe Abneigung gegenüber dem Alles-Verneiner Basarow. Es entfalten sich mehrere Wortgefechte zwischen Pawel Kirssanow und Basarow. In einem dieser Wortgefechte äußert sich Basarow mit dem Satz: „In der heutigen Zeit ist es am sinnvollsten, zu verneinen.“ Seine naturwissenschaftliche, materialistische Ansicht drückt er in dem Satz, „Ein tüchtiger Chemiker ist zwanzigmal mehr wert als der beste Poet“, aus.
Nach einiger Zeit beginnen sich die Freunde auf dem Landgut der Kirsanows zu langweilen. Sie nehmen eine Einladung in eine nahegelegene Stadt an und lernen dort die attraktive Witwe Anna Sergejewna Odinzowa und deren schüchterne Schwester Katja kennen. Anna Odinzowa ist von den radikalen Ansichten Basarows fasziniert. Basarow seinerseits verliebt sich in Anna Odinzowa und gesteht ihr seine Gefühle. Diese Gefühle werden jedoch von Anna Odinzowa nicht erwidert und Basarow stürzt daraufhin in eine Krise, da seine romantischen Gefühle für eine Frau seinen nihilistischen und materialistischen Ansichten widersprechen.
Nach einem kurzen Aufenthalt bei Basarows Eltern kehren die beiden Freunde wieder zurück zum Landgut der Kirssanows. Doch die Freundschaft zwischen Basarow und Arkadi hat erste Risse bekommen. Arkadis romantische Gefühle für Katja, Anna Odinzowas Schwester, erweisen sich bald als stärker, als seine von Basarow übernommenen nihilistischen Ansichten. Der Konflikt zwischen Basarow und Arkadis Onkel Pawel spitzt sich nun schnell zu. Aus einem nichtigen Anlass fordert Pawel Kirssanow den Nihilsten Basarow zu einem Duell im Morgengrauen. Das Duell verläuft glücklich, ohne großes Blutvergießen. Basarow sieht sich allerdings gezwungen das Landgut der Kirssanows zu verlassen und fährt zu seinen in der Nähe lebenden Eltern.
Arkadi ist sich in der Zwischenzeit seiner Liebe zu Katja klar geworden und macht ihr einen erfolgreichen Heiratsantrag, der der Beginn eines konventionellen Lebens für ihn ist und das Ende seiner nihilistischen Ansichten darstellt. Basarow seinerseits stürzt sich in die Arbeit, um Anna Odinzowa zu vergessen. Er unterstützt seinen Vater bei der Bekämpfung einer Typhus Epidemie. Doch schon bald ereilt ihn ein tragisches Ende in der Form einer Infektionserkrankung.
Am Ende des Buches erweist sich der Nihilismus für die beiden jungen Protagonisten somit als nicht gangbare Lebensphilosophie. Der kühle, wissenschaftliche Blick aufs Leben gelingt den beiden nur in der Theorie. Im praktischen Leben versagt der Nihilismus vor der Liebe und dem Schicksal.
Turgenjews Roman beschreibt einen Generationskonflikt. Einen Konflikt zwischen der idealistisch geprägten Generation der Eltern und der materialistisch, nihilistisch denkenden Jugend. Basarow und Pawel Kirssanow verkörpern die Extrempositionen der beiden Generationen. Schlussendlich sind sowohl Basarow und Pawel Kirssanow eines erfüllten und glücklichen Lebens unfähig. Die einfacheren Charaktere des Buches, wie Arkadi und sein Vater Nikolai, finden hingegen zu einem friedlichen Leben.
Turgenjews Roman ist ein großes Meisterwerk des russischen Realismus. Die Personen und die Handlung bestechen durch eine tiefe Anziehungskraft. Die Sprache ist klar und schnörkellos. Die Atmosphäre des Buches ist intensiv und getragen von berührenden und poetischen Szenen, wie derjenigen am Schluss des Romans, als Basarows alte und gebrechliche Eltern täglich am Grabe ihres geliebten Sohnes erscheinen. Zu empfehlen ist die Übersetzung von Harry Burck im Aufbau Taschenbuch Verlag.
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Robert Moosbrugger

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